(von Werner Schulz)

Festzug i-Tüpfelchen auf großartiges Feuerwehrjubiläum

Beim Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt segnete Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann (am Altar) die Fahnenbänder, die von den die von den Hirschauer Festdamen und denen der Schnaittenbacher Patenwehr an der Vereinsfahne der Jubelwehr angebracht wurden.

Festzug i-Tüpfelchen auf großartiges Feuerwehrjubiläum

Hirschau. Ein imposanter Festzug setzte das i-Tüpfelchen auf ein großartiges Fest, das die Feuerwehr zum 150-Jährigen feierte. Bei idealem Wetter säumten Hunderte die Straßen. Sie spendeten den Vereinsabordnungen und feschen Festdamen viel Applaus.

Den morgendlichen Kirchenzug hatte Bürgermeister Hermann Falk, der Schirmherr, noch mit aufgespanntem Regenschirm angeführt. Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann, Zelebrant des Festgottesdienstes in der voll besetzten Pfarrkirche, sah in seiner Predigt Parallelen zwischen Jesus und der Feuerwehr. Jesus sei freiwillig für alle Menschen da. „Freiwillig“ stehe auch bei der Feuerwehr an erster Stelle. Es gebe ein gutes Gefühl, helfen und retten zu können, wenn der andere nicht mehr weiter weiß in Not und Gefahr. Die Fahnenaufschrift „Gott zur Ehr!" wollte der Prediger um das Psalmwort „Unsere Hilfe ist der Herr" erweitert wissen. Es mache bewusst, dass die Menschen es alleine nicht schaffen können, sondern Jesus und seinen Geist brauchen. Die Abkürzung FFW könnte man definieren als „Für Freunde/Fremde/Feinde wirken“. Gott sei Dank, dass es die Feuerwehr gibt. Er gebe seinen Segen. Diesen spendete Pfarrer Bergmann für die beiden Fahnenbänder, die von den Festdamen der eigenen Feuerwehr und denen der Schnaittenbacher Patenwehr an der Vereinsfahne angebracht wurden.

Lang war die Liste der Ehrengäste, die Vorstand Michael Schuminetz zum Frühschoppen im Festzelt begrüßte. Er erinnerte daran, dass bei der Gründung der Wehr am 6. Januar 1868 primär das Löschen im Fokus der Gründer gestanden habe, da bei Bränden oft ganze Straßenzüge ein Raub der Flammen wurden. Niemand habe geahnt, dass sich das Einsatz- und Aufgabenspektrum der Wehren derart erweitern würde. Sie seien, wie die letzten Unwetter gezeigt haben, zu den Katastrophenschützern Nummer eins worden. Mit der Gründung sei dem Ehrenamt alle Ehre gemacht worden. Das 150-Jährige sei ein bedeutendes Ereignis für die Stadt. Man könne stolz sein auf das, was man zum Wohle der Allgemeinheit geleistet hat. Selbstlos in Not geratenen Menschen zu helfen, sei eine der Eigenschaften, die Feuerwehren früher wie heute auszeichnen.

Diese Aussage wurde von Bürgermeister Falk nachdrücklich unterstrichen. Er sei stolz auf die Wehr. Die Übernahme der Schirmherrschaft sei ihm eine Ehre. Die Feuerwehrleute seien mit Herzblut dabei und immer einsatzbereit. Sie seien die, „die da reinlaufen, wo die anderen rauslaufen“ und handelten nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen.“ Ihr Dienst am Nächsten und der Gemeinschaft sei vorbildhaft und verdiene höchste Anerkennung. Die Stadt sei gerne bereit, dafür zu sorgen, dass ihre Ausrüstung technisch immer auf dem neuesten Stand ist.

An die mit dem Feuerwehrdienst verbundenen Risiken erinnerte Kreisbrandrat Fredi Weiß hin. Oft setzten die Feuerwehrleute ihre Gesundheit und nicht selten ihr Leben aufs Spiel. Man müsse immer wieder darauf hinweisen, dass es keinesfalls selbstverständlich ist, wenn Menschen freiwillig diesen Dienst an der Gemeinschaft tun. Der Dank und die Anerkennung könnten gar nicht groß genug ausfallen. Für die Freiwilligen Feuerwehren sei ihr Einsatz nicht Beruf, sondern Berufung. Sein Dank galt zudem allen, die vor und hinter den Kulissen das Jubiläum vorbereitet haben und für einen optimalen Ablauf des Festwochenendes sorgen. Die Stadt Hirschau könne stolz auf ihre Feuerwehr sein, diese wiederum auf das, was sie jahrein, jahraus leiste. Weiß schloss mit dem Wunsch, dass alle Einsatzkräfte von Unfällen verschont bleiben und vom Willen beseelt bleiben, die schwierigen Aufgaben anzugehen gemäß dem Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Menschen zur Wehr“.

Den Grundsatz, dass bei Grußworten, noch dazu in einem Bierzelt, „in der Kürze die Würze liegt“, beherzigten mustergültig Landrat Richard Reisinger und MdL Dr. Harald Schwartz. Der Landrat betonte, das Jubiläum sei für ihn Anlass zu 150 Jahre Einsatzbereitschaft und sozialem Zusammenhalt zu gratulieren. Er war überzeugt, dass die Jubelwehr dieser Tradition auch künftig gerecht werde. Schwartz verband seine Glückwünsche mit einem Lob für alle ehrenamtlich Tätigen, speziell für die Feuerwehrleute. In Bayern sei man stolz auf sie. Man könne sich auf sie verlassen. Umgekehrt konnten, können und werden sich die Feuerwehren auf die Unterstützung des Freistaates verlassen können.

Die Schnaittenbacher Feuerwehr ist Pate der Hirschauer, diese wiederum Patenwehr der Kohlberger. Beide Wehren hatten für die Jubelwehr Geschenke mitgebracht. Der Schnaittenbacher Vorsitzende Konrad Bierner überreichte ein Alarmhorn, der Kohlberger Vorstand Hermann Prechtl eine Marmorplatte mit Wappen.

Der Hirschauer Musikzug hatte den Frühschoppen mit seinen Klängen aufgelockert. Zum Mittagessen setzte dann ein wahrer Gästeansturm auf dem Festgelände ein. Er wurde mehr und mehr zum Orkan, je näher die Aufstellung zum Festzug rückte. Mit einer Länge von gut eineinhalb Kilometern sollte einer werden, wie ihn die Stadt nicht alle Tage erlebt. 108 Gruppen – darunter 80 auswärtige Feuerwehren und 20 örtliche Vereine - mit weit mehr als eintausend Teilnehmern machten sich von der Einmündung Garten-/Schönbrunnerstraße auf die Strecke durch die Innenstadt und zurück zum Festplatz an der Kolpingstraße. Mit dem Musikzug Hirschau, der Pirker Blechmusik, der Gebenbacher Blasmusik, der Feuerwehrkapelle Achtel, den Ehenbachtalern, der Blaskapelle Schmidmühlen und der Jugendblaskapelle Fensterbach sorgten sieben Kapellen für die richtige Marsch- und Begleitmusik. Im Heer der dunkelblauen Uniformen bildeten die feschen Festdamen mit ihren Festgewändern leuchtende Farbtupfen. Ein Extra-Hingucker war die Abordnung des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen. Durch das Spalier der applaudierenden Gastgeber und Ehrengäste zogen die Gruppen ins Festzelt ein, wo Kommandant Sebastian Jasinsky die Fahnenträger der Abordnungen begrüßte. Die Gäste füllten nicht nur das 1 500-Mann-Zelt, sondern den gesamten Festplatz und den angrenzenden Biergarten des Josefshauses. KBR Fredi Weiß entlockte der Anblick den Satz: „So viel Leit hob i scho lang auf koin Fest mehr g’sehn!“ Bis in die Nacht hinein wurde zu den Klängen der Pirker Blechmusi fröhlich weitergefeiert.