(von Werner Schulz)

Sommerserenade einmal mehr eindrucksvolles musikalisches Erlebnis

Der von Jana Müller (r.) dirigierte Gemischte Chor des Gesangvereins 1860 bot bei der Sommerserenade im Schlosshof wieder eine überzeugende Leistung.

Sommerserenade einmal mehr eindrucksvolles musikalisches Erlebnis

Hirschau. Für alle Freunde des Gesangs und der Musik war sie einmal mehr ein eindrucksvolles musikalisches Erlebnis – die Sommerserenade, zu der der Gemischte Chor des Gesangvereins 1860 in den Schlosshof eingeladen hatte. Rund 250 Besucher fanden sich auf den Festspieltribünen ein, um die Darbietungen des gastgebenden Chores und seiner Dirigentin Jana Müller, der Watzendorfer Sänger, des Musikzug-Bläserquintetts und des Gitarrensolisten Markus Siegert zu genießen. Mit dabei war wie immer Roman Podokschik. Er begleitete am Piano die Beiträge des Chores und von Jana Müller.

Knapp zwei Stunden lang boten die Akteure ihrem Publikum ein gleichermaßen unterhaltsames wie anspruchsvolles Programm. Nach dem Begrüßungslied „Wir grüßen euch alle“ aus Mozarts Zauberflöte, hieß der Ehrenvorsitzende Günter Übelacker die Besucher willkommen. Er dankte dem Festspielverein mit seinem Vorsitzenden für die Überlassung des Festspielareals samt Bestuhlung und den Tontechnikern Alfred Härtl und Sepp Strobl. Ihnen war es zu verdanken, dass die Beiträge optimal beim Publikum ankamen. Dafür sorgte auch Moderator Peter Butschek. Er führte locker und humorvoll durch das Programm. Zu Beginn hatte er Erfreuliches zu vermelden – in den Reihen des Gemischten Chores waren neue Gesichter zu entdecken. Er machte kein Geheimnis daraus, dass er intensiv Werbung gemacht hatte: „Die Hirschauer haben schon die Straßenseite gewechselt, wenn ich ihnen entgegengekommen bin!“ Seine A-Capella-Qualitäten bewies der Chor gleich bei der von Lorenz Maierhofer arrangierten Mozart-Komposition „Uns’re kleine Nachtmusik“. Stefan Friesers „Sing a song“ nutzte Butschek spontan zur weiteren Sängerwerbung und mit dem „Entertainer Rag“ drehte man vergnüglich das musikalische Rad in den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Das Weisenblasen ist eine noch relativ junge Erscheinung in der alpenländischen Musik und dort sehr beliebt. Für die Premiere in Hirschau sorgte das Bläserquintett des Musikzugs mit Jürgen Enderer, Gunther Leipert, Erik Remhof, Michael Meindl und Thomas Stark. Sie verbreiteten ruhige, getragene Stimmung mit den auf Volksliedern basierenden, von Stefan Neussl arrangierten Stücken „Blaue Fensterl, griane Gatterl“, „A Weis‘ für’n Hansjörg“, „Am Himmel steht a Wetter“ und „Von da Schwoag bis auf d’Hochalm“. Dagegen regten die bodenständigen, mit teils deftigem Humor gewürzten Beiträge der „Watzendorfer Sänger“ eher zum Schmunzeln und Lachen an. Hans Drexler, Georg Kustner und Richard Falk sowie Franz Dolles mit seiner Quetsch‘n erinnerten mit dem Lied „Böhmische Musi“ daran, wie narrisch einst alle auf’s Polkatanzen waren. Mit den  „Schleifrabuam“ nahmen sie die Gewohnheiten der Bauern auf’s Korn und dem „Pfannaflicka“ unterstellten sie mangelnde berufliche Qualitäten. Der „Bua vo Hausn“ kaufte sich „an junga Sodlgaul und holte sich a schöins Weib“. Beim „Schottisch tanzn“ klagte die Bäuerin über schlechte Ostern, weil „der Gockl niat legn mog“ und mit ihrem Lied „Da Zeppelin“ empfahlen sie dem Forster Gust, mit seinem Odlfass das nächste Mal nicht über Hirschau, sondern über Schnoittnboch zu fliegen.“ Chorleiterin Jana Müller bewies als Sopran-Solistin einmal mehr ihre stimmlichen Qualitäten und Einfühlungsvermögen mit den Liebesliedern „In mir klingt ein Lied“ aus dem Film "Abschiedswalzer" von Alois Melichar nach Frederic Chopin und „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ aus der Operette „Der Favorit“ von Robert Stolz. Sie zeigte, dass man hohe Töne auch geschmeidig singen kann, sie nicht lautstrakt herauspressen muss. Markus Siegert beeindruckte seine Zuhörer mit zwei Eigenkompositionen, die er selbst mit der Gitarre begleitete. Die Akkorde seiner Stücke „Ruhige Klänge“ und „Annäherung an den andalusischen Flamenco“ weckten Erinnerungen an den spanischen Gitarristen Paco de Lucia.

Sentimental und nachdenklich stimmten die abschließenden Liedvorträge des Chores. Da die Iren regelmäßig Tränen beim Singen oder Hören ihres Volksliedes „Oh Danny Boy“ in den Augen haben, empfahl Peter Butschek dem Publikum vorsorglich zum Bereitlegen eines Taschentuches. Gewollt schräg klang der Vortrag von George Gershwins „Somebody loves me“, ehe der Chor mit John Rutters „Schau auf die Welt“ ein gleichermaßen engagiert wie einfühlsam vorgetragenes musikalisches Plädoyer zum Bewahren der Schöpfung darbot. Mit Mozart und einem Stück aus seiner „Zauberflöte“ hatte der Gemischte Chor die Serenade eröffnet. Nicht weniger anspruchsvoll war der Abschluss mit „Habt Dank für die Stunden“ – ebenfalls aus Mozarts „Zauberflöte.

Das Publikum quittierte die Darbietungen sämtlicher Akteure verdienter Maßen mit lang anhaltendem Applaus und machte damit deutlich, dass die Sommerserenade nicht mehr aus dem Hirschauer Kulturleben wegzudenken ist.