(von Werner Schulz)

Fernöstliches Flair in Amberg-Sulzbach

Zur Eröffnung des Festival-Begegnungsfest hatte sich auf der Bühne vor dem Hirschauer Rathaus politische Prominenz versammelt. V. l.: Stellv. Landrätin Brigitte Bachmann, MdL Dr. Harald Schwartz, MdL Reinhold Strobl, Bürgermeister Hermann Falk, NBMB-Kreisvorsitzender Werner Stein und Dolmetscher Felix Kosse.

Fernöstliches Flair in Amberg-Sulzbach

Amberg-Sulzbach. Der FC Bayern beschloss vergangene Woche seine Chinareise mit einer Niederlage gegen den chinesischen Fußballmeister Evergrande Guangzhou. Seit letztem Wochenende ist die Stadt Guangzhou im Landkreis Amberg-Sulzbach nicht nur den Bayernfans, sondern insbesondere den Musikfreunden ein Begriff. Insgesamt 105 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 16 Jahren waren mit 20 erwachsenen Begleitern vier Tage lang in der Region im Rahmen eines Internationalen Jugendmusikfestivals zu Gast. Ausgerichtet wurde dieses vom Kreisverband des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) in Zusammenarbeit mit der Organisation für internationale Kontakte (OIK) in Bonn.

Stärkste Reisegruppe war die Guangdong Chinese-Overseas-Middle-School-Concert-Band mit ihren 53 Musikerinnen und Musikern. Mit 22 Mädchen war die Tie-Yi-Tanzgruppe der der Middle-School angereist, der Chor der Fremdsprachen-Middle-School-Guangzhou. Während die Mitglieder des Orchesters und der Tanzgruppe im Arcadia-Hotel in Amberg bzw. im Hotel Post in Königstein untergebracht waren, waren die Chormitglieder bei Hirschauer Familien zu Gast.

Erster Höhepunkt ihres Aufenthaltes war am Samstag der Chinesische Abend im Kubus in Ursensollen. Getoppt wurde dieser durch das sonntägliche Begegnungsfest auf dem Hirschauer Marktplatz. Bevor die chinesischen Gäste bei diesen Veranstaltungen eindrucksvoll ihr Können unter Beweis stellen konnten, hatten sie allesamt schon ein stattliches Programm absolviert. So hatten die Chorkinder am Freitag Empfänge bei den Bürgermeistern Hermann Falk (Hirschau) und Josef Reindl (Schnaittenbach) absolviert und bei der Entlassfeier der Mittelschule Schnaittenbach mitgewirkt. Nach einer Stadtführung durch Amberg treaf man sich abends mit dem Hirschauer Musikzug und der Concert-Band zu einem Standkonzert im Freizeitzentrum am Monte Kaolino. Am Samstagvormittag wurde die Stadt Nürnberg besichtigt. Am Nachmittag bescherten die chinesischen Kinder der Musikzugdirigentin Annette Pruy mit dem Singen eines Hochzeitsständchens eine gelungene Überraschung. Auch die Tänzerinnen hatten einen Ausflug nach Nürnberg und eine Besichtigung der Stadt Amberg inclusive Plättenfahrt hinter sich. Die Concert-Band hatte am Freitagvormittag im Gregor-Mendel-Gymnasium ein mit Riesenbeifall bedachtes 90-minütiges Konzert gegeben und sich am Samstagvormittag in Ursensollen bei einem NBMB-Workshop unter Leitung von Stefan Neger mit den Grundlagen der bayerisch-böhmischen Musik vertraut gemacht. Ein Stadtbummel durch Amberg durfte selbstverständlich nicht fehlen.

All dies hinderte weder die Band, noch die Tanzgruppe oder den Chor daran, am Samstag beim „Chinesischen Abend“ im Ursensollener Kubus die – leider nicht übermäßig vielen - Besucher mit großartigen Darbietungen zu begeistern. Bürgermeister Franz Mädler hatte die Gäste willkommen geheißen und die Veranstaltung als absolutes Highlight für das kulturelle Leben in seiner Gemeinde bezeichnet. Die Concert-Band bewies, dass ihr nicht von ungefähr in den letzten Jahren mehrfach der Titel „Hervorragende Kunstgruppe der Stadt Guangzhou“ verliehen wurde. 2012 war das Orchester sogar vom Organisationskomitee der Olympischen Spiele zum „London Olympic Music Festival“ nach London eingeladen worden. Das Orchester zeigte sich bestens disponiert, egal ob bei der „Second Suite first movement“, „Novena“, „Susa, Susa, Susa“, „Captain America“ oder „Canon Rock“. Ein wahres Feuerwerk an Farbenpracht und graziöser Beweglichkeit zündete die Tie Yi-Tanzgruppe. Dies galt für den traditionellen südchinesischen Tanz genauso wie für das „Fliegen am Himmel“ und die „Mädchen aus den Familien Dai“. Der Chor überzeugte bei seinen Vorträgen mit seiner zu jedem Moment feinst abgestimmten Klangfülle, hatte zugleich eine ganze Reihe herausragender Gesangsolisten und virtuoser Klavierpianisten zu bieten. Dies sollte am Sonntagnachmittag auf dem Hirschauer Marktplatz nicht anders sein.

Bevor die Gruppen dort ihr Programm präsentierten, war es an Bürgermeister Hermann Falk, das Begegnungsfest zu eröffnen. Zur Begrüßung hatten sich auch die Landtagsabgeordneten Dr. Harald Schwartz und Reinhold Strobl sowie die stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann eingefunden. Sie alle teilten Falks Meinung, dass das Festival die Chance biete, Erfahrungen von unschätzbarem Wert zu sammeln, die über den Bereich der Musik hinausgehen. Sie können mithelfen, Vorurteile abzubauen. Dank sagte das Stadtoberhaupt allen, die das Fest ermöglichen, allen voran dem NBMB-Kreisvorsitzenden Werner Stein und dem Musikzugvorsitzenden Maximilian Stein mit seinen Mitgliedern, die von Mittag bis zum frühen Abend die Festbesucher bewirteten.

Musikalisch eröffnet wurde das Fest weder mit fernöstlichen noch mit Oberpfälzer Klängen, sondern vom Alphornbläser-Quartett der Hahnbacher Marktbläser und dem Stück „Der Bödner“. Für Abwechslung im chinesischen Programm sorgte die Musikkapelle Ursensollen mit den Märschen „Gute Reise“, „Mein Heimatland“ und „Schloss Leuchtenburg“. Die chinesischen Gruppen ernteten immer wieder Szenenapplaus für ihre großartigen Darbietungen, zum Schluss mit Beifall förmlich überschüttet. Applaus gab es auch für die Beiträge des friesischen DAS-Orchesters. Einen schwungvollen Schlussakzent setzte schließlich die Kindergarde des Musikzugs.

Beim Abschied kullerten über die Wangen der chinesischen Mädchen und Jungen, die bei Hirschauer Familien untergebracht waren, ein paar Tränen. Der NBMB-Kreisvorsitzende Werner Stein zog am Sonntagabend, als die Musikzügler mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren, das Fazit: „Geschafft! Es war anstrengend, aber auf jeden Fall allen Einsatz wert!“