(von Werner Schulz)

Glockenkrieg zwischen Kaolinstädten ohne Uno-Mission beendet

Nach dem Happy-End wurde kräftig und ausgelassen gefeiert.

Nach dem Happy-End wurde kräftig und ausgelassen gefeiert.

Hirschau. „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“, so lautet der bekannteste Spruch des griechischen Philosophen Heraklit. Wer unter den 350 Besuchern der Premiere des Festspiel-Stückls „Der Glockenkrieg“ war, konnte als Fazit mit nach Hause nehmen, dass mit dem gütlichen Ende der einstmaligen Auseinandersetzung der Grundstein für die heutige Freundschaft zwischen Hirschau und Schnaittenbach gelegt wurde. Aktuell kommt diese besonders dadurch zum Ausdruck, dass die Schnaittenbacher massiv die Forderung nach einer Realschule in Hirschau unterstützen.

Der Festspielvereinsvorsitzende und Bürgermeister a.D. Hans Drexler hatte wohl die uralte Rivalität zwischen den Nachbargemeinden im Hinterkopf, als er das Schelmenstück „Der Glockenkrieg“ von Alois Johannes Lippl zur Grundlage des diesjährigen Festspiel-Stückls machte. Zusammen mit der Regisseurin Verena Bauer, seiner Schwiegertochter, gelang es ihm glänzend, die Vorlage auf die Gegebenheiten im Kaolinbecken zuzuschneiden und überlieferte „Hirschauer Stückln“ situativ sinnvoll einzubauen.

Mesner Nagler (Richard Wisneth) und sein Schnaittenbacher Pendant Pollinger (Ludwig Schmid) waren sich einig: „Die Schnoittenbecker haben schöine Moidln, während Hirschau viele Übriggebliebene an die Nonnenklöster liefert.“ In Schnaittenbach mangelte es an strammen Burschen. Da waren die gemeindeübergreifenden Techtelmechtel zwischen der Jugend unausweichlich. Ausgerechnet die Liebenden sollten Opfer des Kriegszustandes werden. Ausgelöst wurde der durch ein Gerichtsurteil. Hirschaus Bürgermeister Hitzinger (Dieter Held) und seine Stadträte klopften sich auf die Schenkel, weil der Stadt der umstrittene Bürgerwald zugeordnet wurde. Das Urteil brachte Schnaittenbachs impulsiven Bürgermeister Rosskopf (Roland Fritsch) und den Magistrat in Rage. Als Amtsrichter (Hans Drexler) das Urteil für endgültig erklärte, verklagten sie die Hirschauer wegen „akustischem Landfriedensbruch“. Deren Glockengeläute sei schuld an unwetterartigen Niederschlägen in Schnaittenbach. In angeheitertem Zustand fassten Rosskopf und sein Magistrat den Beschluss, dass „zwischen Hirschau und Schnaittenbach nimmer verlobt und geheiratet werden darf“. Ausgerechnet ihre Töchter waren mit einem Hirschauer verbandelt. Um die Beziehungen nach Hirschau zu unterbinden, sprengten Rosskopf und seine Leute die Ehenbachbrücke. Den Zustand entdeckten die Hirschauer ausgerechnet bei der Fronleichnamsprozession. Aus Rache versenkten sie die Schnaittenbacher Glocke bei einer nächtlichen Aktion im Moosweiher und ersetzten sie durch Kuhglocken. Gleichzeitig schnitt die Rosskopf-Truppe die Seile der Hirschauer Glocken durch. Wegen ihrer Missetaten drohte Amtsrichter Hofrat Schmaus beiden Parteien saftige Strafen an. Die Jugendlichen machten sich auf und davon und erklärten, erst heimzukommen, wenn zwischen beiden Orten wieder normale Verhältnisse herrschen. Unterstützung fanden sie bei Dekan Hirdringer (Bernhard Kustner) bzw. Pfarrer Bruckner (Erwin Zach), ebenso bei den Müttern. Sie traten in den Streik und stellten ihren Gatten kurzerhand die Betten vor die Tür. Das verkraftete Magister Wispauer (Johannes Fleischmann) nicht. Er fiel in Ohnmacht. Davon wieder erwacht, wurde ihm bewusst, dass „das Nachgeben schon immer die Sach vo die Klügeren war“. Umgehend beschlossen beide Bürgermeister einstimmig, dass sie diejenigen sind, die nachgeben. Für die Schnaittenbacher war das Glück vollkommen, als Esel Napoleon auf seinem Karren neue Glocken antransportierte. Bei der ausgelassenen Feier teilte Amtsrichter Schmaus noch mit, dass nach Aussage der Versicherung die Hagelschäden in Hirschau „um 4,7 Prozent höher waren als in Schnaittenbach“.

Lang anhaltender Beifall war der verdiente Lohn für die Schauspieler, die sich bestens mit ihren Rollen identifizierten. Dazu trugen sicher auch die originellen Kostüme bei. Regisseurin Verena Bauer hatte das Schelmenstück hervorragend in Szene gesetzt. Zu den Glanzpunkten der Aufführung zählten zudem die musikalischen Beiträge. Ein Riesenkompliment verdienten sicher auch die Bühnenbauer, Bühnenbildner, Pyrotechniker, Beleuchter und Beschaller. Fazit: Wer sich den Glockenkrieg nicht anschaut, der versäumt etwas.

 

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