(von Werner Schulz)

Glockenkrieg nicht mehr zu verhindern

Glockenkriegszustand herrschte zwischen dem Schnaittenbacher Bürgermeister Simon Rosskopf (Roland Fritsch, hinten 2.v.l.), seinen Magistern samt Ehefrauen (alle hintere Reihe) und dem Hirschauer Bügermeistern Sebastian Hitzinger (Dieter Held, vorne .v.r.), dessen Starträten samt Gemahlinen (alle vordere Reihe). Regisseurin Verena Bauer (vorne l.) hat dafür gesorgt, dass der Konflikt friedlich gelöst wird.

Glockenkrieg nicht mehr zu verhindern

Hirschau. Heute heißt es um 20.30 Uhr im Schlosshof Bühne frei zur Festspielpremiere 2015.“ Der Glockenkrieg zwischen Hirschau und Schnaittenbach ist nicht mehr zu verhindern! Zum sechsten Mal seit 2005 ist Hirschau Festspielstadt. Die ersten fünf Festspiel-Stückln spielten ausschließlich in Hirschau. Dieses Mal gerät auch die Nachbarstadt Schnaittenbach ins Visier. Die Rivalität zwischen den beiden Kaolinstädten ist wohl so alt wie die Orte selbst. Die Älteren können sich noch gut daran erinnern, dass es z.B. bei den Fußball-Lokalderbys zwischen dem TuS Hirschau und dem TuS Schnaittenbach sehr robust zur Sache ging – dies nicht nur auf dem Spielfeld. Auch auf den Zuschauerrängen lieferte man sich so manchen Zweikampf.

Diese Rivalität hatte wohl der Festspielvereinsvorsitzende Hans Drexler im Hinterkopf, als er das bekannte Volksstück von Johann Lippl „Der Glockenkrieg“ als Grundlage für das diesjährige „Festspiel-Stückl“ ausgewählt hat. Unter der Regie von Verena Bauer wurde das Schelmenstück, das in der Biedermeierzeit spielt, auf die rivalisierenden Städte zugeschnitten. Mit dem „Verziehen einer sauren Wiese mit Pflöcken und Seil“ und dem „Versenken der Glocken im Mosswieher mit Markieren der Kerbe am Bootsrand“ sind u.a. zwei „Hirschauer Stückln“ eingearbeitet.

Die Handlung des Stückls

Im Hirschauer Kirchturm hängen die größeren Glocken. Die Schnaittenbacher bilden sich ein, dass dadurch Unwetter auf ihre Felder und Wiesen niedergehen, weil ihr “windiges” Geläut gegen das große Geläut der Hirschauer nicht ankommt. Deshalb bricht zwischen den Ortschaften der Glockenkrieg aus. Allerdings schert sich die Jugend beider Städte herzlich wenig um den Streit der Altvorderen. Über die Grenze, die der Ehenbach bildet, werden längst zukünftige Ehebande geknüpft. Darüber hinaus bringt ein schon lange dauernder Prozess wegen eines Waldstückes, der endgültig verloren ist, die Schnaittenbacher Stadträte in Rage. Sie reißen in einer Nacht- und Nebelaktion die Brücke über den Ehenbach ab - die Verbindungsbrücke zwischen den beiden Städten. Am nächsten Tag wird die Fronleichnamsprozession der Hirschauer an dieser Stelle empfindlich gestört. Gestört werden auch die Heiratsabsichten der jungen Hirschauer Burschen und feschen Schnaittenbacher Mädchen durch ein vom Stadtrat beschlossenes Heiratsverbot. Aber die Mädchen sind für die Burschen der anderen Gemeinde unwiderstehlich schön. Die Besucher dürfen sich also auf eine haarscharfe, liebevolle Komödie mit rund siebzig Darstellern freuen. Eintrittskarten sind noch an der Abendkasse zu haben. Dies gilt auch für die anderen sieben Aufführungen. Die nächste findet am Mittwoch, 22. Juli, um 20.30 Uhr statt. Einlass ist jeweils ab 18.30 Uhr. Für die Bewirtung der Besucher steht dieses Mal ein Zelt bereit.