(von Werner Schulz)

Hirschau und Schnaittenbach im Glockenkrieg

Am vierten Adventsonntag, den 18. Dezember 1949, nahm Geistlicher Rat Friedrich Zeitler um 9.15 Uhr vor der Stadtpfarrkirche unter überaus großer Anteilnahme der Bevölkerung die Weihe der Glocken vor. Die größte Glocke (Ton C) mit der Inschrift: "Herz Jesu, König und Mittelpunkt der Herzen" wiegt 2 100 Kilogramm.

Hirschau und Schnaittenbach im Glockenkrieg

Hirschau. Noch drei Tage, dann feiert am Freitag um 20.30 Uhr das diesjährige Hirschauer Stückl „Der Glockenkrieg“ vor den Festspieltribünen im Schlosshof seine Premiere. Im von Verena Bauer nach einem Buch von Johannes Lippl inszenierten Schelmenstück bricht der Glockenkrieg aus, weil die Schnaittenbacher sich einbilden, dass ihr „windiges Geläute“ gegen das große Geläut der Hirschauer Kirchenglocken nicht ankommt und daher Unwetter auf ihre Felder niedergehen. Ein Blick auf die aktuellen Glockendaten der Hirschauer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und der Schnaittenbacher St. Vitus-Pfarrkirche zeigt, dass auch heutzutage das Schnaittenbacher Geläut nicht gegen das Hirschauer ankäme. Im Hirschauer Kirchturm hängen sechs Glocken. Die schwerste von ihnen, die Herz-Jesu-Glocke wiegt 2 100 kg, die Marienglocke 1 100 kg, die Josefsglocke 750 kg, die Annaglocke 400 kg, die Wolfgangsglocke 300 kg und die Engelsglocke 200 kg. Die Hirschauer Glocken bringen zusammen also 4 850 kg auf die Waage. Hinzu kommt eine Sterbeglocke.

Vom Schnaittenbacher Kirchturm ertönen fünf Glocken, die zusammen 3 315,5 kg wiegen, also 1 534,5 kg weniger als die in der Nachbarstadt. Mit 1 615 kg ist die Bruderschaftsglocke die schwerste, gefolgt von der Vitusglocke mit 752 kg, der Angelusglocke mit 629,5 kg, der Schutzengelglocke mit 271 kg und der Marienglocke mit 248 kg. Auch die Vituskirche beherbergt zusätzlich eine Sterbeglocke. Ob die Kirchenglocken allerdings einen Einfluss auf das Wetter und die Niederschlagsmengen hatten bzw. haben, darf wohl heute genauso wie einstmals zur Biedermeierzeit, in der die Komödie spielt, bezweifelt werden.