Hirschau. Am Freitag, 17. Juli, feiert das diesjährige Hirschauer Stückl „Der Glockenkrieg“ seine Premiere. Rund 70 Schauspielerinnen und Schauspieler werden auf der Bühne agieren. Sie alle müssen mit Kostümen aus der Biedermeierzeit ausgestattet werden. Seit gut drei Monaten sind unter der Regie von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl die fleißigen Näherinnen Evi Fritsch, Ingrid Dobat und Maria Brixel dabei, Kleider, Hosen, Blusen, Leibeln, Mäntel, Uniformen, Hüte usw. zu fertigen bzw. zu ändern. Auch Erna Künzel hat einige Oberteile der Frauenkostüme gefertigt.
Seit dem ersten Stückl im Jahr 2005 hat sich der Festspielverein schon einen großen Fundus an Kostümen und Requisiten zugelegt. Rund 200 Kostümteile und unzählige Kleinrequisiten werden von Sepp Strobl akribisch gepflegt und verwaltet. Zum Fundus gehören auch 15 Zylinder, 25 Hüte und Mützen sowie 15 Schuten. Für den „Glockenkrieg“ braucht das Schauspielerensemble allerdings eine ganze Reihe neuer Kostüme. Der Festspielverein ist in der glücklichen Lage, sich auf die Mitarbeit dreier ebenso geschickter wie fleißiger Näherinnen verlassen zu können. Evi Fritsch wirkt nicht nur im Hintergrund. Sie ist auf der Bühne als Bürgermeistersgattin Walburga Hitzinger zu sehen. Dagegen sind Ingrid Dobat und Maria Brixel ausschließlich hinter den Kulissen im Einsatz. Seit 2005 fertigen sie in der Vorbereitungsphase Kostüme jeglicher Art und stehen während der Aufführungen mit Faden, Steck- und Sicherheitsnadeln und Bügeleisen parat, wenn kurzfristig etwas geändert oder ein Malheur behoben werden muss. „Da haben wir bei den bisherigen fünf Stückeln immer helfen können“, beteuern Ingrid Dobat und Maria Brixel im Gleichklang.
Im Moment sind sie noch voll und ganz mit dem Fertigen neuer Kostüme beschäftigt. Vor allem die Schnaittenbacher müssen ziemlich neu eingekleidet werden. Sepp Strobl liefert dafür eine historisch nachvollziehbare Begründung: „Schnaittenbach war zu der Zeit, in der das Stückl spielt, noch Markt. Deswegen müssen die Schnaittenbacher ländlicher gekleidet werden, damit man sie von den Hirschauern leichter unterscheiden kann.“ Die feinen Hirschauer Herren präsentieren sich im feinen Biedermeierzwirn und mit Zylinder als Kopfbedeckung, die Hirschauer Damen in eleganten Kleidern und Schutenhüten als Kopfschmuck. Die Schnaittenbacher Männer tragen einen Bauernfrack, ihren Frauen werden Kopftücher aufgesetzt. Daher mussten die Jacken der vier Schnaittenbacher Hauptdarsteller umgearbeitet und für sie große Knöpfe gefertigt werden. Die Hüte der vier wurden aus alten Frauenhüten der 70-er Jahre, die Sepp Strobl auf Flohmärkten erstanden hatte, komplett im Stil des Jahres 1850 neu gemacht, ebenso die Hutschnallen und die Schnallen an den Schuhen von Roland Fritsch, der den Schnaittenbacher Bürgermeister verkörpert. Für die Schnaittenbacher Mädchen wurden auf Trödelmärkten und bei „Herrn Ebay“ Kleider im bäuerlichen Stil erworben. Völlig neu gefertigt wurden die Uniform des Postboten sowie die Gewänder der Ministranten und der Mesner. Sepp Strobl erfüllte auch den Wunsch von Regisseurin Verena Bauer, eine Monstranz, einen Weihwasserkessel und ein einen Himmel für den Prozessionsumzug zu fertigen. Das Nähen des Himmels übernahm Evi Fritsch. Sepp Strobl ist stolz auf sein Näherinnenteam: „Die Ingrid, Maria und Evi schaffen es auch dieses Mal, dass jedem Darsteller und jeder Darstellerin sein Gewand perfekt passt.“ Bis zur Premiere gibt es noch allerhand zu tun!
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Neben einem Weihwasserkessel und dem Prozessionshimmel hat Sepp Strobl mit der Monstranz ein kleines Kunstwerk geschaffen. |






